Gründungszuschuss vom Arbeitsamt – Was muss ich beachten und wie beantrage ich ihn?

Wer sich aus der Arbeitslosigkeit heraus selbstständig machen möchte, kann vom Arbeitsamt mit einem sogenannte Gründungszuschuss unterstützt werden.

In meiner Praxis werde ich immer wieder gefragt, wie dies funktioniert und was dabei zu beachten ist. Hier eine kurze Erläuterung.

Jeder, der sich in der Arbeitslosigkeit befindet und Arbeitslosengeld 1 bezieht, kann seinem Sachbearbeiter beim Arbeitsamt mitteilen, dass er eine Selbstständigkeit in Erwägung zieht.

Grundvoraussetzung, dass das Arbeitsamt dies mit einem Gründungszuschuss unterstützt ist, dass man noch mind. 150 Tage Anspruch auf Arbeitslosengeld 1 zum Zeitpunkt der Antragstellung hat. Aber Vorsicht, dies ist zwar eine wichtige Voraussetzung, aber noch lange kein Garant für die Gewährung des Zuschusses. Denn das Arbeitsamt hat einen sogenannten Vermittlungsvorrang. Sprich, man möchte Sie vorrangig als Arbeitnehmer der Wirtschaft vermitteln. Ob der Gründungszuschuss dennoch gewährt wird, liegt zu einem großen Teil im Ermessen des Sachbearbeiters.

Allerdings hat jeder den Anspruch, den Antrag für einen Gründungszuschuss – datiert und unterschrieben vom Sachbearbeiter – ausgehändigt zu bekommen. Dies ist oftmals nicht bekannt und wird auch nicht explizit kommuniziert. Aus unserer Erfahrung heraus ist es in jedem Fall wichtig, mit dem zuständigen Sachbearbeiter offen zu sprechen, um seine Meinung und Unterstützung zu bitten und ihn somit mit ins „Boot“ zu nehmen.

Hat man den Antrag erhalten, dann sind die nächsten Schritte Fleißarbeit.

Es muss ein Businessplan inkl. betriebswirtschaftlicher Kennzahlen erstellt werden. Dies ist ohnehin für den Schritt in die Selbstständigkeit sehr wichtig und sollte in jedem Fall erarbeitet werden. Lasst Euch dabei helfen, denn in den meisten Fällen erstellt man so einen Businessplan nicht jeden Tag.

Der Antrag muss ausgefüllt werden. Dies solltet ihr allerdings nur mit professioneller Hilfe tun, denn ein Kreuz falsch gesetzt, kann bereits ein Ausschlusskriterium sein. Im Antrag ist auch eine „Stellungnahme der fachkundigen Stelle zur Tragfähigkeit der Existenzgründung nach § 93 Abs. 2 Nr. 2 SGB III“. Diese Stellungnahme kann man neben der IHK, HWK, Fachverband und einem Kreditinstitut auch vom Unternehmensberater erhalten.

Sind die Unterlagen vollständig, werden sie wieder beim Arbeitsamt abgegeben. Lasst Euch in jedem Falle die Übergabe quittieren, denn auch beim Arbeitsamt arbeiten Menschen und es kann mal eine Unterlage versehentlich als Irrläufer im Haus unterwegs sein. Dann kann zumindest die Abgabe dokumentiert werden. Für die 150-Tage-Frist ist die Ausgabe des Antrags vom Arbeitsamt an Euch ausschlaggebend.

Wir raten unseren Mandanten immer, wenn möglich diesen Gründungszuschuss zu beantragen, da er neben der monatlichen Unterstützung auch bei der Berechnung der Krankenkassenbeiträge relevant ist. Bei Genehmigung, erhält man ca. 65 % des letzten Gehaltes, 6 Monate lang als Unterstützung. Zusätzlich werden 15 Monate jeweils 300,00 € für die Sozialversicherung gezahlt. Dies ist für einen Existenzgründer nicht unerheblich.

Allerdings muss der Schritt in die Selbstständigkeit auch ohne diese Unterstützung möglich sein. Selbst wenn man mit einer Ablehnung des Antrags bis zum Sozialgericht gehen kann, ist der Ausgang ungewiss und es gehen bis zu der Entscheidung des Gerichtes einige Monate ins Land.